03 Apr 2012

Mode in Übergrößen

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Mode in Übergrößen

Blickt man in der Geschichte zurück, wird man feststellen, dass Mode in großen Größen bzw. Übergrößen über Jahrhunderte hinweg eigentlich gar kein Thema war. Es gab sie einfach und es war weder ein Tabu noch verpönt. Betrachtet man Gemälde aus jenen Zeiten, ist nicht zu übersehen, dass Personen mit unterschiedlicher Leibesfülle gleich oder ähnlich gekleidet waren, egal ob Schnitt, Stoff oder Farbe. Der schlanke Bauer und der dicke Bauer trugen die gleiche Kleidung, die schlanke und die kräftige Edelfrau waren ähnlich gekleidet. Egal ob Römisches Reich, Mittelalter, Rokoko, Biedermeier. Und so war es bis etwa Anfang des 20. Jahrhunderts.

Durch die Industrialisierung und die maschinelle Herstellung von Kleidung kam es aber zu einem massiven Einschnitt. Irgendwie wurde industriell hergestellte Garderobe nur noch in einem bestimmten Größenrahmen hergestellt. Und in diesem Rahmen entwickelte sich Mode für schlanke Menschen immer weiter und Kleidung in Übergrößen fiel aus besagtem Rahmen. Während einerseits neue Stoffe gefunden, neue Schnitte kreiert, neue Farben ausprobiert und neue Trends geschaffen wurden, beschränkte sich Kleidung in Übergrößen auf dunkle, gedeckte Farben und der Schnitt erinnerte oft an ein zu klein geratenes Zirkuszelt.
Und wenn man ganz ehrlich ist, war es doch so, dass ein kräftiger Mann doch weniger Schwierigkeiten hatte, etwas Passendes zu finden als eine Frau. Dicke oder kräftige Männer wurden und werden von der Gesellschaft eher akzeptiert als dicke oder kräftige Frauen.
Wollte, in der Vergangenheit, eine mollige oder dicke Frau modischer oder farbenfroher gekleidet sein, blieb ihr oft nichts anderes übrig, als eine Schneiderin aufzusuchen oder leise, still und heimlich sich in ein Geschäft oder eine Abteilung für Umstandsmoden zu begeben, wo sie zuerst einmal die Frage zu hören bekam „In welchem Monat sind Sie denn?“
Mit Umstandsmoden konnte man sich vielleicht etwas behelfen, aber es war halt die Hose mit dem elastischen Strickbund, der natürlich verdeckt werden musste; es musste ja schließlich nicht jeder sehen, dass man Umstandsmode trägt, obwohl keine Schwangerschaft vorlag.

In den 70ern begann man so ganz langsam zu erkennen, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht die Maße von Twiggy hatte, auch wenn die glamouröse Modewelt es einem durch das Auftreten immer dünnerer Models lange Zeit vermitteln wollte.

Ein ganzer Industriezweig erkannte die Zeichen der Zeit und begann, schöne, tragbare und sexy Kleidung für Mollige und Runde zu entwerfen und auf den Markt zu bringen. Erst waren es kleine Unterabteilungen in den großen Kaufhäusern, dann eigene Abteilungen und dann sogar ganze Geschäfte, die sich auf Mode in großen Größen spezialisiert haben. In den darauf folgenden Jahren haben diverse Geschäfte ihre Verkaufsaktivitäten bis ins Internet ausgeweitet oder den reinen Online-Verkauf aufgezogen.

Dieser Trend zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch die Modewelt, die langsam aber sicher zu begreifen beginnt, dass es auch ein Leben über XXXS hinaus gibt. Der Weg dorthin war schwer und noch schwerer war es, einen gewissen Schlankheitswahn aus dem Kopf der Leute zu bekommen. Aber mittlerweile ist man sogar so weit, dass große Modehäuser ihre Namen für Kreationen in XXL oder größer hergeben oder weltbekannte Couturiers (Lagerfeld) in einem Atemzug mit einer gewichtigen Lady (Beth Ditto), die gerne in XXL-Designer-Roben auftritt und diese salonfähig macht, genannt werden.

Heutzutage können sowohl Frau als auch Mann ohne Mannequin-Figur eine bemerkenswerte Auswahl an XXL-Kleidung finden, die alle Genres abdeckt, ob nun klassisch, sportlich, modisch, trendy oder cool. Kleidung in großen Größen und Übergrößen für Beruf, Alltag, Sport, Freizeit, Urlaub, Abendgarderobe sowie auch zauberhafte und neckische Dessous findet man mittlerweile relativ problemlos im Internet aber auch in Geschäften, die dazu übergegangen sind, ihre Artikel in einer viel weiter gefächerten Größenpalette anzubieten.

 

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